Juni
1. Am Mittwoch wurde meinem Mann, die komplett abgerissene untere Bizepssehne, in einer anderthalb stündigen OP, wieder am Knochen befestigt. Heute durfte er das Spital verlassen. Auch wenn ich durch meinen Sohn, meine Assistentinnen und die Spitex gut umsorgt werde, bin ich doch froh, ist mein Mann wieder Zuhause. Er darf den rechten Arm vorerst nicht belasten. Mit der linken Hand kann er mir doch ab und zu eine lästige Haarsträhne aus dem Gesicht streichen oder Lachtränen von den Augen wischen. Jetzt heisst es für meinen Mann Geduld aufbringen, damit alles gut heilen kann. Und ich freue mich auf schönes Wetter, um die Auszeit meines Mannes, gemeinsam mit ihm, im Garten zu verbringen.

4. Ich bin zurzeit stark beschäftigt. Ich verbringe gerade viel Zeit mit meinem Mann. Sein Arm befindet sich in der Genesungsphase und er darf mindestens 4 Wochen nicht arbeiten. Gestern besuchten wir zusammen das Urner Kantonale Schwingfest in Attinghausen. Und Heute genossen wir das schöne Wetter im Garten. Meine Physiotherapie hat deshalb auch gleich meine Phsiostunde ins Frei verlegt. Bei dem vorherrschenden schwülwarmen Wetter, hätte ich allerdings Wassergymnastik vorgezogen. Vielleicht versuchen wir es am Mittwoch erstmal mit Fussgymnastik in einem Zuber, gefüllt mit kaltem Wasser. Zur weiteren Abkühlung behelfen wir uns mit feinen Glace und eisgekühlte Getränke. Wir Beide lassen es uns gutgehen.

5. Bei uns im Garten halten sich Mensch und Tier gerne auf.
Die Raupe des Schwalbenschwanzes hat ihr Quartier in unserem Insektenhotel bezogen. Und ein Vogelpaar hat das Nest für ihren baldigen Nachwuchs, hinter unserer "Harley* versteckt. Die Fauna und Flora unserer geliebten Erde, hält so viel Schönes für uns bereit. Ich sitze oft still und betrachte mit Ehrfurcht die Wunder unserer Natur.

7.
Ich muss verstehen um zu verstehen

13. Leute, es geht mir gut. Ich denke, ihr habt die Aussage oben nun oft genug gelesen. Ich hoffe, ihr habt sie auch verstanden. Ich wollte euch nicht so lange warten lassen. Es fehlte mir schlichtweg an Zeit und Kraft, mein Tagebuch noch zusätzlich zu aktualisieren. Ich investierte viel Zeit in eine Sache, die mir sehr am Herzen liegt. Ich habe viel kommuniziert. Das war mit meiner Sprech- und Schreibbeeinträchtigung, verursacht durch die Krankheit ALS, nicht immer so einfach. Habe ich mich einmal entschieden, für eine Sache einzustehen, setze ich viel Kraft dafür ein. Schade, nagt die Krankheit ALS immer mehr an meinen Nerven und schwächt damit meine Muskeln. Aber aufgeben ist für mich noch keine Option.​
Liebe Freunde, nicht vergessen, die Mitgliederversammlung des Vereins ALS Schweiz
findet am 19.06.18 statt.

14. Nachdem meinem Mann vor zwei Wochen die abgerissene Bizepssehne operativ befestigt wurde, durfte er seinen Arm nicht gross belasten. So durfte er mich im Bett auch nicht umlagern. Ich musste als passionierte Seitenschläferin, all die Nächte auf dem Rücken verbringen. Dabei musste ich froh sein, wenn ich mal vor 2.00 Uhr einschlafen konnte. Solange mein Mann bei meiner Abendpflege ausfällt, übernimmt die Spitex. Blöd ist, dass ich ab 19.00 Uhr für die Spitex im Zimmer sein muss. Und das auch an gemütlichen Grill-Abenden. Funktioniert mal besser, mal schlechter. Wenns mal gar nicht geht, springt mein Sohn ein. Meine Assistentinnen decken den Tag ab. Langsam gehts mit dem Arm meines Mannes aufwährts. So konnte er mich gestern Abend, mit dem gesunden Arm umlagern und ich durfte endlich mal wieder eine Nacht in Seitenlage geniessen. Mir wurde dabei wieder mal bewusst, wie stark ich im Alltag auf die Hilfe meines Mannes angewiesen bin.
Er stützt meine gebrochenen Flügel und hift mir zu Fliegen. Danke ❤️

16. Manchmal komme ich nicht daran vorbei, schmutzige Wege zu befahren. Dass ich dabei Schmutz abbekomme, ist unvermeidlich. Dabei muss ich aufpassen, nicht noch zusätztlichen Schmutz zu produzieren. Das ist aber nicht so ganz einfach. Am liebsten würde ich mich mehrere Stunden unter die Dusche stellen um mich wieder sauber zu fühlen.
Heute muss ich mal wieder runterfahren und zu mir selber finden. Darum verbringe ich den heutigen Tag mit meinem Mann im Garten. Dort finde ich hoffentlich wieder mein Gleichgewicht.

18. Jetzt ist einer meiner Flügel tatsächlich gebrochen. Beim zweiten Sturz innerhalb drei Wochen bin ich nicht so glimpflich davongekommen. Beim Transfer mit der Spitex habe ich das Gleichgewicht verloren und bin seitlich zu Boden gefallen. Dabei brach ich mir den Oberarmknochen. Durch die jahrelange ALS-Erkrankung und die Unbeweglichkeit haben meine Knochen an Substanz verloren. Sie sind zerbrechlicher geworden. Da es ein glatter Bruch ist und ich den linken Arm vorher schon kaum mehr benutzen konnte, haben wir uns vorerst gegen eine Operation entschieden. Ich muss den Arm einfach körpernah tragen. Die Sanitäter, welche mich Zuhause abgeholt haben und mich gleich mit Schmerzmittel versorgt haben, konnten mir die Angst nehmen. Dann auf dem Notfall nahm uns ein Herr in Empfang, der sich mit ALS auskennt. Bis vor kurzem arbeitete er in der Klinik im Tessin, in welcher wir jährlich die ALS-Gruppe-Ferien verbringen. Er hat meinen Mann und mich sofort wiedererkannt. Da soll mal einer sagen, ich sei nicht gut aufgehoben.

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen einige Menschen Mauern und andere Windmühlen.
– Chinesisches Sprichwort

25. Mein Arm macht mir leider ein bisschen Probleme. Die Schmerzen sind mitunter doch recht stark und ohne Schmerzmittel geht noch gar nichts. Heute hatten mein Mann und ich gleich zusammen einen Kontrolltermin bei unserem Hausarzt. Auch der Arm meines Mannes braucht noch einige Zeit, bis er wieder heil ist. Wir beide haben diese Woche noch zusätzlich je einen Termin in der Spital-Chirurgie. Hoffe einfach, dass die Bizepssehne meines Mannes gut anwächst und das Taubheitsgefühl im Arm nachlässt. Für mich hoffe ich, dass mein Bruch im Oberarm gerade zusammenwächst. Schauen wir mal, was das erneute Röntgen am Freitag ergibt. 
Mehr Schreiben lässt mein Arm nicht zu. Dafür habe ich euch ein paar Fotos vom Country und Trucker Festival in Interlaken, welches wir trotz Schmerzen am Samstag besucht haben. Wir konnten doch unsere VIP-Billette nicht verfallen lassen.
Ich weiss nicht, warum ich danach die halbe Nacht mit Schmerzen wachliegen musste. Ob es an den Vibrationen der Musik lag, oder am Getränk Swizly, welches mir ausserordentlich gut geschmeckt hat. Ist aber eigentlich auch egal. Der Tag hat Spass gemacht.

26. Nun ist er da, unser Nachwuchs im Garten. Gestern sind unsere Amselkücken geschlüpft.

30. Habe bei der obigen Bildergalerie neue Amselnachwuchsbilder angefügt. Beim Betrachten der Bilder habe ich vier Vogelschnäbel entdeckt. Heute konnte ich die Amselmutter bei der Futtersuche beobachten. Keine leichte Arbeit, vier hungrige Schnäbel zu stopfen. Erst recht, wenn sich der Amselvater nicht mehr blicken lässt. Wenigstens konnten wir der Amselmutter, durch unseren Gartensprenger, etwas Abkühlung verschaffen und sie mit Wasser versorgen. Auch andere Tiere wie Eidechsen, Bienen, Schmetterlinge, erfreuten sich an den kühlenden Wasserstrahlen. Ich liebe es, in unserem Garten zu sitzen und zu beobachten, was hier so alles kreucht und fleucht. Hier in unserem Garten fühle ich mich beschützt. Hier erhole ich mich von inneren Verletzungen, welche mir mitunter zugefügt werden. Hier schöpfe ich Kraft für mein Leben. Hier finde ich immer wieder zu mir selber zurück. Hier bin ich Zuhause. Der Garten ist mein kleines Paradies.