MÄRZ
1. Meteorologischer Frühlingsbeginn
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1.März 2020: Tag der Kranken. Motto: Ich bin mehr als meine Krankheit. 
Lasst euch nicht unterkriegen Leute und geniesst den wunderschönen Tag.

3. Heute durfte ich in der Physio wieder ins Wasser. Ich freue mich jeweils sehr darauf. Das Liegen auf dem Wasser ist für mich Entspannung pur. Ich fühle mich einfach wohl im Wasser. Dank dem Auftrieb kann ich am Beckenrand sogar ein paar Schritte gehen. Allgemein, im Wasser kann ich mich viel besser bewegen als an Land. Deswegen bin ich aber noch lange kein Krokodil liebe Hildi. Ich fühle mich eher wie eine Meer(jung)frau.

8.03.2020
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11. So leer wie jetzt war mein Terminkalender schon seit längerer Zeit nicht mehr. Mitgliederversammlungen, Sitzungen, Veranstaltungen werden laufend abgesagt oder verschoben. Wäre der Grund nicht das blöde Virus, hätte ich jetzt mehr Zeit, um meine Freunde zu besuchen, könnte ausgiebig Shoppen gehen oder Ausflüge machen.
Gestern hatte ich meinen halbjährigen Besuch bei meinem Pneumologen und er hat mir eindringlich geraten, möglichst alle Termine ausser Haus abzusagen. Er hat mir ebenfalls geraten die Reha im April/Mai zu verschieben. Obwohl sich meine Lungenwerte seit der letzten Messung kaum verändert haben, wäre es für mich fatal vom Virus angesteckt zu werden. Bleibt mir also nichts anderes übrig als abzuwarten.
Langweilig wird es mir trotzdem nicht. Ich bin dabei, Grusskarten zu kreieren, um diese dann für einen guten Zweck zu verkaufen. Ausserdem nutze ich jede Sonnenstunde, mich im Garten aufzuhalten und dem Frühlingstreiben zuzuschauen.
13. Wegen der Ansteckungsgefahr des Corona-Virus haben mein Mann und ich heute beschlossen, den Kontakt zu anderen Personen zu meiden. So habe ich bis auf einen Termin, alle Therapiebesuche vorerst abgesagt. Ebenfalls verschieben muss ich wohl meine geplante Reha. Auch meine Assistenzpersonen und die Spitex haben nächste Woche keinen Einsatz bei mir. Ich habe das grosse Glück, dass mein Mann bereit ist, während dieser Zeit meine Pflege und meine Unterstützung zu übernehmen. Wir werden diese gemeinsam gewonnene Zeit für Sonnenstunden im Garten nutzen oder für Ausflüge mit dem Auto. Mit einer gefüllten Picknicktasche geht das wunderbar. Das Einkaufen ohne Personenkontakt haben wir für den schlimmsten Fall auch bereits organisiert. Die nächsten Wochen werden für uns alle Herausforderungen bringen, welche es zu meistern gilt.
19. Ein malerischer Bildgruss aus meinem mir selbstauferlegten Hausarrest. Meinem Mann und mir geht es gut.
21. Ein Hallo aus meinem "Hausarrest". Da ich mich nach wie vor auch im Garten aufhalten kann, ist die Bezeichnung Grundstückarrest wohl bezeichnender. Nahen Kontakt pflege ich nur noch mit meinem Mann, der den Arrest genauso einhält wie ich. Obwohl das Grundstück unseres Sohnes an unseres grenzt halten wir auch zu ihm Distanz. Gespräche finden lediglich im Garten und mit Abstand statt. Wir haben Glück, uns sehen und, wenn auch jeweils nur kurz, austauschen zu können. Der Einkauf durch unseren Sohn oder durch eine Assistentin funktioniert auch wie vorgesehen. Wobei unser Sohn auch den Einkauf von unserem betagten Nachbar übernimmt. Ich finde diese Generationenunterstützung so wunderbar. Viel Gutes und Menschliches aus den momentanen Geschehnissen, werden unser zukünftiges Leben beeinflussen.
Diese Tage mit viel Sonne und Wärme im Garten habe ich sehr genossen. Die farbenfrohen Frühlingsblumen, die blütentragenden Aprikosen-, Pflaumenbäumchen, die gelben Forsythien Sträucher, die rosablühende Japanische Kirsche und die roten Johannesbeere Ziersträucher mit den am Nektar labenden Wildbienen und Hummeln, sind faszinierende Beobachtungsobjekte. Auch die wiedererwachten Eidechsen und die wunderschönen Vogelstimmen bereichern meine Zeit im Garten.
22. Heute ist es mir zu kalt und zu nass, um in den Garten zu rollen. Bleibe ich wie viele andere Menschen eben auch im Haus. Mit Einschränkungen umzugehen, lernte ich in all den vergangenen Jahren infolge meiner Krankheit. Dass die Einschränkungen zunehmen, kenne ich ebenfalls. Wir, die von der unheilbaren Krankheit ALS betroffen sind, müssen uns laufend auf veränderte Situationen einstellen.
Die meisten von uns haben schon mal nach Luft gefleht oder hatten Angst zu ersticken, weil uns durch einen Krümel oder Speichel die Atemwege verschlossen wurden. Auf Grund der Schwächung des Zwerchfells, der Bauchmuskulatur und der Muskeln im Rachenraum, müssen viele von uns in der Nacht, manche auch am Tag, eine Atemmaske tragen. Über die Maske wird Raumluft mit überdruck in die Maske geleitet und in die Lunge befördert. Ich kann euch sagen, es ist gar nicht lustig nach Luft schnappen zu müssen. Trotzdem hält es die wenigstens davon ab, immer wieder Kraft zu sammeln, um weiterzuleben. Ich habe gelernt, die Erstickungsanfälle auszublenden und keine Angst vor dem nächsten zu haben. Es reicht völlig, wenn die Angst bei einem nächsten Anfall zurückkehrt. Das gilt auch für einen Zahnarztbesuch. Warum sich Tage davor schon Gedanken machen. Das ist unnötig verlorene Zeit. Es reicht völlig, die Zähne kurz vor der Behandlung klappern zu lassen.
Im Haus bleiben zu müssen, ist wohl nicht das eigentliche Problem, welches uns zurzeit beschäftig, es sind die sozialen Kontakte die uns fehlen. Besonders hart trifft es z.B. ALS Betroffene, welche in Pflegeheimen leben. Das Besuchsverbot macht einsam. Damit unsere lieben Betroffenen wissen, dass sie nicht alleingelassen werden und wir bei ihnen sind, hat die ALS Community Schweiz auf ihrem ALS-WhatsApp-Chat eine Karten-Schreib-Aktion für ALS Betroffene in Pflegeheimen gestartet. Danke allen, die dabei mitmachen und eifrig Karten/Briefe schreiben. 

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