​D E Z E M B E R

1. Es war ein emotionaler Monat. Es war eine anstrengende Woche.
Auch wenn ich kräftemässig an meine Grenzen gestossen bin, so bin ich über mein Engagement, für andere Menschen da zu sein und für sie zu kämpfen, froh. Es gibt mir das Gefühl, trotz meinen vielen körperlichen, wie lautsprachlichen Beeinträchtigungen, etwas sinnvolles zu tun. 
Heute konnte ich zu mir sagen: Rita, dein Mantel mag einfach gestrickt sein und Geschehnisse in deinem Leben haben Spuren auf ihm hinterlassen. Durch viele gelebte Erfahrungen, ist dein Mantel inzwischen bunt und facettenreich geworden. Ausserdem wärmt und schützt er dein Herz, deine Seele. Trage deinen Mantel mit Stolz. Nur du passt hinein. Er gehört dir. Das bist du und das ist gut so.
Ja, wenn das so ist, brauche ich mir vorläufig keinen neuen Mantel zuzulegen. Der Alte erfüllt meine Ansprüche. 
Der Winter und die Weihnacht können kommen. Ich bin bereit.

2. Heute am 1. Advent brennt nicht nur die erste Kerze auf dem wunderschönen, von meiner Schwester Bernadette kreierten Adventsgesteck, auch die Aussendekoration haben wir heute, zum Einzug des Nikolaus, eingeschaltet. Jetzt fehlt im Tal nur noch der Schnee. Erst dann wird es richtig "heimelig". Der Anfang ist jedenfalls schon mal geglückt.

6. Eigendlich wollte ich wieder einen Tagebucheintrag machen. Nur, meine Finger zicken Heute so herum, dass ich nur mit viel Geduld, die ungewollten Doppel-, und Falschbuchstaben löschen kann. Die Augensteuerung bereitet mir noch Mühe, auf meiner Homepage zu navigieren. Ich habe Gestern, so auch heute Vormittag, so viel schriftlich kommuniziert, dass die Kraft in den Fingern fast aufgebraucht ist und Ruhe brauchen.
Also, bald könnt ihr wieder etwas von mir lesen.
23.00
Da heute der Samichläusabig / Abend des Nikolaus ist, will ich versuchen, trotz meinen noch immer kribbeligen Fingern, ein paar Sätze zum heutigen Tag zu schreiben.
Heute Morgen habe ich mich unbewusst für einen feuerroten Pullover entschieden. Mir ist erst ein Licht aufgegangen, als mich meine Assistentin nach einer Nikolausmütze fragte.
Bei der Pflege fragte sie dann, ob bei mir der Nikolaus auch vorbeikommen würde. Worauf ich erwiderte: Bin ich ein Kind? Sie: Nein aber… Pause. Ich: Bin ich alt? Sie: Nein aber … Pause. Ich: Nein ich bin auch nicht krank.
Später, als sie den Deckel auf die Tagescremetube schraubt und mich dabei betrachtet, meint sie zu mir: Siehst gleich fünf Jahre jünger aus. Ich, plitzschnell, fange an zu rechnen. Ich zu ihr: Dreh die Tube wieder auf und sag mir, bis zu welchem Kindesalter kommt nochmal der Nikolaus vorbei? Alt konnte ich mich ja jetzt nicht mehr machen.
Lachanfall auf beiden Seiten. Und wenn ich mal in Fahrt bin, ist der Transfer in den Rollstuhl schwierig. Meine Assistentin zu mir: Ich transferiere dich erst, wenn du aufgehört hast zu lachen. Einfach gesagt, schwierig zu befolgen. Schlussendlich schaffte ich es dann doch, böse Miene zum lustigen Spiel zu machen.

8. Ja, mein Lachen, es hat mich schon in unmögliche Situationen gebracht. So auch vor anderthalb Wochen bei einem Kinobesuch. Der gezeigte Film, handelt von Beziehungen / Liebesbeziehungen zwischen Menschen mit und ohne körperliche oder geistige Behinderung und wie das Umfeld darauf reagiert. Trotz aller Tragik kamen der schwarze Humor und die lustigen Szenen nicht zu kurz. Mitunter musste ich wieder so lachen, dass mir meine Physiotherapeutin, meine Begleitperson an diesem Abend, die herunterkullernden Tränen wegwischen musste. Auch eine Kollegin aus der Selbstvertretergruppe, welche sich mit ihrem Rollstuhl neben mich gestellt hat, hat mich mit ihrem Lachen angesteckt. Ich durfte eine Zeitlang nicht mal mehr in ihre Richtung schauen, sonst hätte ich mit dem Lachen gar nicht mehr aufhören können. Ich hatte mir auch schon einen Fluchtweg ausgesucht, konnte mich dann aber doch beruhigen. Nach der Vorstellung klopfte mir doch promt Jemand auf die Schulter und meinte; sie hätte mich schon Lachen gehört. Dabei hatte ich mich doch so zusammengerissen.
Ich liebe Komiker. Leider ist es mir nicht möglich, an ihren Vorstellungen teilzunehmen. Ich muss über manche Szenen so lachen, ich kriege mich kaum noch ein. Für mich nicht lustig, denn ich bekomme dann kaum noch Luft. Für die anderen Besucher nicht lustig, denn sie werden durch mich abgelenkt.
Also gibt’s bei mir die Komiker nur über TV und mit einer Person, die mit Taschentüchern in der Hand, neben mir sitzt.
Auch wenn mich Ereignisse im Leben traurig stimmen, so habe ich mein Lachen nie verloren. 

9. Gestern schwelgte ich in früheren Zeiten. An Zeiten, in denen ich an Wochenenden noch öfters im "Ausgang"
war. In Discotheken tanzte und Rock - Veranstaltungen besuchte. Die Musik von Jethro Tull habe ich aus dieser Zeit mitgenommen. Gestern Abend besuchte ich nun ihr Konzert zum 50. -jährigen Bestehen. Im Laufe der Jahre, gab es immer mal Wechsel bei den Bandmitgliedern. Ian Anderson, der Kopf der Band, steht aber nach wie vor wie eine Eins auf einem Bein. Das Konzert war der Hammer. Das Bühnenbild, die Videos die während der Show gezeigt wurden, waren sehr gut gemacht. Die Lichtshow, mal hell und grell, mal warm und bunt wie zur Zeit der Joints. Irgendwoher kam dann auch prompt ein Duft von Gras daher. Kurz mal eine Nase voll nehmen und die alten Zeiten sind wieder präsent. Das Durchschnittsalter der Konzertbesucher schätze ich mal auf 55 Jahre. Auch die zahlreichen rollstuhlfahrenden Konzertbesucher waren plus, minus in meinem Alter. Wir Rollstuhlfahrenden wurden an diesem Abend vorbildlich betreut. Kaum betraten wir das Foyer, kam auch schon eine Frau auf uns zu und stellte sich als Betreuerin der rollstuhlfahrenden Konzertbesucher vor. Sie hat uns alles gezeigt, wie Lift, Essen- und Getränkestände, Lift, Toiletten und begleite uns an den Sitzplatz. Während dem Konzert kam sie des Öftern vorbei, um zu fragen, ob alles gut sei, ob wir etwas benötigen. Ich glaube, ich war noch nie an einer Veranstaltung, wo so viel Wert, auf die optimale Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen gelegt wurde.
Kompliment an den Veranstalter, kompliment an Samsung Hall Zürich. Ich komme wieder, auch wenn ich beim Einlass, wie viele andere Besucher ebenfalls, gefilzt wurde. Ich bin jedoch froh, um die erhöhten Sicherheitsmassnahmen. Der nächste Konzertbesuch - Boss Hoss - ist schon gebucht.
Beim letzten Stück "Locomotive Breath" stand auch der letzte Konzertbesucher auf. Die Menge tobte und wir, die Rollstuhlfahrenden, standen ihnen in nichts nach. Während die grosse Masse die Beine bewegte, bewegten wir unsere Köpfe. Spastik vorprogrammiert. Doch das wars wert.

10. Wenn heute die Rede von Menschen mit Beeinträchtigungen ist, fallen oft Worte wie, Integration, Inklusion. Viele Fragen sich, wo der Unterschied liegt. Nun habe ich mal versucht, die Begriffe der Jahreszeit entsprechend, in Form eines Bildes zu erklären. Ich hoffe, es gelingt mir, ein wenig Aufklärung zu leisten.

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13.  Seit meiner eigenen chronischen Erkrankungen, die mich zwingt, meinen Lebensweg mit einem Rollstuhl zu bewältigen, musste ich mich vielen Herausforderungen stellen. Zuerst aus eigenen Bewegründen, fing ich an, mich über Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen zu interessieren. In dieser Zeit kam ich mit Menschen in Kontakt, welche sich tagtäglich, gleichen oder ähnlichen Herausforderungen stellen müssen. 
Vor gut zwei Jahren, wählten zwei Absolventinnen der HSLU - Soziale Arbeit, für ihre Projektarbeit, das Thema Selbstvertretung. Die Idee; im Kanton Uri eine Gruppe von Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter aufzubauen. Hierfür wurde ein Informationsveranstaltung durchgeführt. Menschen mit Beeinträchtigungen, Organisationen und Behördenmitglieder nahmen daran teil. Das Interesse war da, doch niemand war bereit, eine solche Gruppe aufzubauen. Ich, als bisherige Einzelkämpferin, erkannte sogleich den Sinn und Nutzen einer solchen Gruppe. Ich erklärte mich bereit, den Versuch zu wagen, eine solche Gruppe aufzubauen. 
Von den zwei Absolventinnen wurde ich an sechs Nachmittagen mit dem Thema Selbstvertretung vertraut gemacht. Zusammen erarbeiteten wir einen Leidfaden.
Seit zwei Jahren bin ich, inzwischen WIR, mit dem Aufbau der Gruppe Selbstvertretung Uri beschäftigt. Wir sind immer noch Wenige, trotzdem konnten wir schon einiges in Bewegung setzen. Ich freue mich immer, wenn wir wieder kleine Schritte erziehlen können.
Wir wollen Menschen mit Beeinträchtigungen ermutigen, sich, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, für ein selbstbestimmtes Leben einzusetzen. Wir fordern sie auf, ihre Ideen und Wünsche in die Gesellschaft einzubringen.
Selbstvertretung soll weiter, auch in Institutionen zur Selbstverständlichkeit werden. 
Eigentlich wollte ich mich im nächsten Jahr etwas zurücklehnen. Doch nun steht wieder ein spannendes Projekt an. Bei diesem anspruchsvollen Unterfangen, helfe ich mit meinen Selbstvertreter Kolleginnen und Kollegen natürlich gerne mit.

15. Eine flockig weisse Schicht hat sich über Nacht über die Landschaft gelegt. Was für ein wunderschönes Bild. Die Sonne scheint auf die Berge und lässt den Schnee leuchten. Wie schön doch unsere Jahreszeiten sind. Ich liebe diese Erde. Ich bin so glücklich, hier sein zu dürfen. Ich liebe das Leben.

18.  Wenn ich auch viel mehr lache als weine, so bin auch ich traurig und es kullern Tränen über meine Wangen. Manchmal lösen Erinnerungen an verstorbene Menschen und Freunde, diese Traurigkeit aus. Dieses Jahr musste ich mich auch wieder von einigen von ALS-Betroffenen Freunden verabschieden. Das Gefühl, von ihnen verlassen worden zu sein, lässt Leere zurück. Ich weiss aber, wie gerne sie länger gelebt hätten. Die Krankheit ALS lies ihnen jedoch keine Chance. 
Liebe Freunde, ich weiss nicht wo ihr jetzt seid. Ich wünsche mir zum Jahresende, dass ihr dort seid, wo ihr immer mal hinwolltet.
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In Gedanken bei meinen verstorbenen Freunden.

20. Mein Mann, ein überaus geschickter Handwerker, hat in den vergangenen Jahren schon einige Hilfsmittel für mich hergestellt. So hat er z.B. einige Hausinnentüren für mich bedienbar gemacht. Er hat sie mit Rollschlössern versehen. Damit kann ich mit den Rollstuhlrasten die Türen von aussen aufstossen und von innen zustossen. Damit ich die Türe von innen öffnen kann, hat mir mein Mann je eine Lederlasche an der Innentür befestigt. So kann ich mit meinem noch aktiveren Fuss, die Türe aufziehen. Warum haben wir die Türen nicht automatisiert? Das Haus, das wir bewohnen, ist das Elternhaus meines Mannes. Es wird auf ca. 120 Jahre geschätzt. Das Baujahr ist leider nirgends verzeichnet. Die echten Stuckaturen, welche in einigen Zimmern die Decken zieren, sind zeitzeugen. Wir wollten dem Haus sein Innenleben lassen. Das und finanzielle Aspekte haben uns in jungen Jahren bewogen, das Haus nicht auszuhölen, sondern nur sanft zu renovieren. Das heisst, bei uns gibt es leicht schiefe Böden und Wände. Der Einbau von automatisierten Türen wäre aufwändig und teuer gewesen. Wie so oft suchte mein Mann nach einer Alternative. Bis jetzt hat sich dieser Türmechanismus jedenfalls bewährt.
Ich roch es schon gestern Abend durch meine Zimmertür und erst recht heute Morgen, als ich meine Zimmertüre mit dem Fuss aufzog. Das ganze Treppenhaus roch nach Weihnachten. Tannenduft lag in der Luft. 
Bevor ich jedoch mit dem Treppenlift eine Etage tiefer fahren konnte, musste ich mich für die Morgenpflege, in die Hände meiner Assistentin begeben. Dabei war heute zusätzlich Haare tönen angesagt. Schliesslich gehört Silber Lametta an den Weihnachtsbaum und nicht auf meinen Kopf. Und für Engelshaare reicht es leider noch nicht.
Nach einer Ewigkeit konnte ich endlich mit dem Fuss die Wohnzimmertüre aufstossen. Und da stand er, ein Hüne von einFensteröffnerem Baum. An die 2 Meter hoch, mit einem riesigen Durchmesser. Mein Mann bringt jedes Jahr einen schönen Tannenbaum nach Hause. Doch dieses Jahr..... ich habe noch nie einen schöneren Weihnachtsbaum gesehen. Und wie er geschmückt ist, einfach wunderschön. Mein Mann hat sich selbst übertroffen, als er gestern Abend, als ich schon im Bett lag, den Tannenbaum in einen Weihnachtsbaum verwandelte. Diesen Baum und diesen Mann gebe ich nicht so schnell her.

24. Meine Lieben Homepagebesucher. Heute, am 24. Dezember habe ich im letzte Adventsfenster eine kleine Überraschung für euch hinterlegt. Wenn ihr wissen wollt, was sich hinter dem Fenster verbirgt, dann drückt einfach auf den Fensteröffner und schaut was passiert. Ich hoffe, ich kann euch mit diesem Weihnachtsgeschenk eine kleine Freude bereiten. Schöne Weihnachten! 


26. Neben meinem vielen, kaum zu stillenden Lachen und neben meinem wenigen, aber intensiven Weinen, wäre da noch meine immer unverständlichere und leise werdende Stimme. Mir war bereits im Frühen Krankheitsstadium bewusst, sollte sich die Krankheit meiner Stimme bemächtigen, hätte ich zu kämpfen. Nun ist es soweit. Ich werde immer weniger gut verstanden und was ich noch schlimmer finde, ich werde falsch verstanden. Ich habe so gerne über alles Mögliche diskutiert. Ich habe mich nicht versteckt und meine Ansichten offen mitgeteilt. Durch gute Argumentation konnte ich ab und an Menschen zum Nachdenken bewegen. Ich habe es geliebt, mit klug gewählten Worten, Menschen friedlich zu stimmen. Das Gesprochene mit Beiwörtern auszuschmücken, liebte ich. Die Worte erwachen erst richtig zum Leben, wenn sie mit den entsprechenden Tonlagen, Tempi und Lautstärken untermalt werden. Dies immer weniger zu können, macht traurig, 
Bei meinem Weihnachtsclip wollte ich eigentlich mit meiner eigenen Stimme sprechen. Als ich mir den ersten Videoclip ansah, erschrak ich selbst ab meiner Stimme. Durch das häufige Nachfragen durch mein Gegenüber, wusste ich, wie es um meine Aussprache steht. Ich wusste jedoch nicht, wie sich der Ton meiner Stimme verändert hat. Mich so sprechen zu hören, war schlimm für mich. Ich dachte, das bin nicht mehr ich. So will ich nicht gehört werden. So sage ich lieber nichts mehr und bleibe von jetzt an stumm.
Ich hatte mir jedoch vorgenommen, mich weiter für die Belange der Menschen mit Beeinträchtigungen und insbesondere für ALS-Betroffene zu engagieren. Am andern Tag haben wir dann erneut einen Clip mit meiner eigenen Stimme und meiner elektronischen Stimme aufgenommen. Dabei habe ich mich für die Bündner-Dialekt-Stimme entschieden. Zu Testzwecken wurde mir diese Stimme von der Firma Slowsoft auf meinen Sprachcomputer installiert. So macht das Sprechen auch wieder mehr Spaß. Gerne würde ich natürlich mit meinem eigenen, dem Urner-Dialekt sprechen. Ob ich mit diesem Dialekt auch verstanden würde, ist dann wieder etwas anderes.
Also, tief Luft holen - das kann ich ja noch gut - und weiter im Text.

27. Tagesausflüge

28. Heute gabs keinen Ausflug in den Schnee. Ich hatte zu arbeiten. Als Assistenznehmerin bin ich zur Arbeitgeberin mit Pflichten und Rechten geworden. Als ehemalige Abteilungsleiterin weiss ich um die Aufgaben eines Vorgesetzten. Mitarbeitergespräche, Audit usw. gehörten zu meiner Arbeit. Umsatzbudget von mehreren Millionen erstellen und die Zielvorgaben im Auge halten, Kosten dem Umsatz anpassen, Statistiken lesen und darauf reagieren, gehörten ebenfalls zu meinem Job. Als Vertreterin der Direktion hatte ich guten Einblick in Geschäftsabläufe. Eine eher weniger schöne Aufgabe war die Behandlung von Kundendiebstahl. Meine Arbeit war sehr vielfälltig und ich habe meine Arbeit geliebt. Am meisten liebte ich das Arbeiten auf der Verkaufsfläche und die Verkaufsgespräche mit den Kunden. Wenn die Kundschaft mit einem Produkt zufrieden das Geschäft verlässt, hat man als Verkäufer alles richtig gemacht. Ich durfte bei meinem ehemaligen Arbeitgeber sehr gute interne Ausbildungen geniessen. So wurde mir unteranderem auch etwas sehr Wichtiges eingetrichtert. Als Vorgesetzter stehts ein Vorbild zu sein. Lange ist es her. Einiges ist aber geblieben. Das hilft mir heute bei meinen kleinen, aber wichtigen Arbeiten. Dazu gehört auch jeden Monat Lohnabrechnungen zu machen. Einmal in der Exel-Datei eingerichtet, ist es auch keine Hexerei. Ich bin sehr froh, dass ich dies noch immer selbständig machen kann. Wie bei jedem Arbeitgeber, fällt auch bei mir Ende Jahr etwas mehr Arbeit an. Ich muss unteranderem der AHV-Stelle die Sozialleistungsabzüge meiner Assistentinnen einreichen. Weiter müssen Formulare neu datiert und Ordner auf den neuesten Stand gebracht werden. Für mich heisst das, Büroarbeit auf dem PC. Und wenn ich schon mal dabei bin, wird auch gleich im ganzen PC aufgeräumt. Es hat den ganzen Nachmittag gedauert. Doch jetzt bin ich soweit. Ich kann jetzt aufgeräumt und positiv ins neue Jahr blicken.

29. Wenn Menschen wie ich, wegen körperlichen Einschränkungen nicht mehr die gewollten und gekonnten Leistungen erbringen vermögen, tut es ab und an gut, auf vergangene Zeiten zurückzublicken, wie ich es im Beitrag von Gestern gemacht habe. Als Mensch im Rollstuhl werde ich immer noch zu oft auf meine Beeinträchtigungen reduziert. Seit meine unklare Aussprache dazu gekommen ist, denkt manch einer, auch in meinem Kopf sei nicht mehr viel los. Da hilft ein Zurückblicken, ein Schulterklopfen und das Selbstwertgefühl kehrt zurück. Dies gibt mir auch Mut, neues anzupacken. Ich will mich wieder vermehrt auf mich selbst besinnen und so agieren, wie es meinem Wesen entspricht. Selbstbestimmt statt Fremdbestimmt.
Für ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Beeinträchtigungen, will ich mich auch im 2019 einsetzen. Zusammen mit meinen Selbstvertreterkolleginnen und Kollegen, will ich Menschen mit Beeinträchtigungen ermutigen, ihr Leben, nach Möglichkeit, selbst in die Hand zu nehmen. Ich will mich weiter für die Vernetzung von Menschen mit Beeinträchtigungen in Uri einsetzen. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen, uns gegenseitig ermutigen, sich für ein selbstbestimmtes Leben einzusetzen.
Mehr darüber könnt ihr aber gerne nach meiner Schreibpause lesen.

30. Ich denke, man darf zurückblicken und stolz sein, auf das, was man in der Vergangenheit geleistet hat. Sich damit brüsten sollte man jedoch nicht. Titel und Auszeichnung bringen gar nichts, wenn sie nicht laufend durch Taten untermauert werden. Wichtig ist, was man im hier und jetzt bewegt. Manche Menschen sind mit einem wachen Kopf gesegnet, bei andern liegt das Talent in den Händen und da gibt es noch die Herz-Menschen. Alle drei sind wichtig. Jeder Mensch hat Fähigkeiten. Manchmal weiss man gar nicht um seine Gabe. So unterschiedlich wir Menschen auch sind, so brauchen wir doch alle einander. Was könnten wir alles bewegen, wenn wir mehr aufeinander zugehen würden und einander zuhören würden. Wir Menschen sind so was Wunderbares und Liebenswertes das unsere Erde hervorgebracht hat. Tragen wir Sorge zueinander.
Beim Zurückblicken freue ich mich, auf meine lieben verstorbenen ALS Freunde zu treffen. Mit vielen war ich in den Tessiner ALS-Ferien.
Heute war ich im Tessin und habe zu "unserer Insel* hinüber geschaut. Meine Gedanken waren bei meinen Freunden. Ich werde euch nie vergessen. Ihr seid immer in meinem Herzen.
Ich habe heute auch an meine lieben verstorbenen Eltern gedacht. Auf ihrer Hochzeitsreise besuchten sie ebenfalls die Isole di Brissago.
Diese Insel wird für mich immer etwas besonderes bleiben.

31. Nun sitze ich vor dem letzten leeren Blatt in meinem Tagebuch 2018. Jetzt sollte ich wohl noch etwas Gescheites schreiben. Aber was? Vielleicht Erfreuliches aus dem ablaufenden Jahr? Da gab es doch einiges. Da ist z.B. eine liebe Freundin, welche ich durch meine Krankheit im Internet kennenlernen durfte. Sie wohnt in Vorarlberg und geht dort auch einer Arbeit nach. Obwohl sie seit Geburt an blind ist, meistert sie ihr Leben hervorragend. Bei den ersten Korrespondenzen mit ihr, war ich sehr verunsichert. Ich wollte ja nicht in ein Fettnäpfchen treten. Wie oft kommen in Gesprächen z.B. Farben vor. Eine echte, aber interessante Herausforderung. Sie hat es mir jedoch leicht gemacht, indem ich sie einfach alles fragen durfte. Über mein sprechendes Adventsfenster hat sie sich sehr gefreut und ich, weil ich ihr damit eine Freude machen konnte. Je mehr ich den Kontakt mit Menschen mit Beeinträchtigungen suche, je mehr lerne ich über die Verschiedenheit der Beeinträchtigungen. Je mehr ich darüber weiss, desto besser kann ich auf mein Gegenüber eingehen. Ich möchte, dass auf meiner HP auch andere Menschen mit Beeinträchtigungen zu Wort kommen. Und dies in einem zukünftigen Blog.
Wer überrascht mich immer wieder? Natürlich mein Mann. Ich bin wahrlich keine einfache Lebensgefährtin mit all den vielen Ideen, welche in meinem Kopf herumschwirren. Gerne möchte ich meine Ideen auch umgesetzt wissen. Kaum ausgesprochen, sollten diese auch schon verwirklicht sein. Ich bin von Natur aus, ein Mensch voller Tatendrang und zudem sehr ungeduldig. Mit mir Schritt zu halten, ist wahrscheinlich eine echte Herausforderung. Wie oft wäre ich schon übers Ziel hinausgeschossen, hätte mein Mann mich nicht mit seiner überlegenen, ruhigen Art zum Stoppen gebracht. Er ist seit über 38 Jahren mein Fels in der Brandung.
Zum Lachen gebracht, hat mich letzte Woche der Komiker Kayan mit seinem Programm aus dem Jahre 2017 über die Schweiz. Ich befand mich schon im Bett, als er auf dem Bildschirm erschien. Ich würde ihn ja gerne mal hautnah erleben, doch das geht nicht. Warum? Da wäre wieder mein Lachen. Ich würde alle Zuhörer mit meinem Gekichere übertönen und das Publikum könnte dem Programm nicht mehr folgen. Es ist besser, ich schaue mir sowas ganz allein Zuhause an. So muss ich auch nicht versuchen mich zurückzuhalten, was ohnehin selten gelingt. Ich kann aus vollem Herzen lachen und die Tränen können an meinen Wangen ungehemmt hinunterlaufen. Diesesmal hat mir der Brustkorb wegen dem Lachen, zwei Tage lang wehgetan. Trotzdem, lachen soll ja gesund sein.
Ich glaube, ich habe nun vieles gesagt und die letzte Seite in diesem Jahr ist ohnehin bald vollgeschrieben.
Was kommt jetzt noch? Was will ich noch sagen, bevor ich in die Schreibpause gehe?....................
Vielleicht noch dies?

"Wenn du das Leben 
begreifen willst, 
glaube nicht, was man sagt,
 und was man schreibt,
 sondern beobachte selbst, und denke nach"
Anton Tschechow 1860 - 1904

Ich halte es nun kurz und sage euch D A N K E, für das Interesse an meinem Leben.
Machets güät und rutsched güät uberä. Alles Liäbi und Güäti firs 2019. Tschüss und bis im März. 💚